Perlentauchen – gefahrvolle Suche nach schillernden Schätzen

Wie alles, was schön und selten ist, faszinieren Perlen die Menschheit schon seit der Steinzeit. Während die Gewinnung von Edelmetallen und Edelsteinen bloß mühselig ist, bedeutet die traditionelle Suche nach Perlen meist ständige Lebensgefahr, in jedem Fall aber eine Arbeit, die mit gesundheitlicher Schädigung einhergeht. Denn Naturperlen beziehungsweise die Muscheln, die sie in sich tragen, findet man hauptsächlich in größerer Tiefe. Und traditionelles Perlentauchen findet ohne technische Hilfsmittel statt.

Bis zu fünfzig Metern Tauchtiefe und Unterwasserzeiten von bis zu fünf Minuten – das sind keine Bedingungen, für die der menschliche Körper geschaffen ist. Die Luft so lange anzuhalten, ist noch die „geringste“ Leistung. Regelrecht gefährlich sind die enormen Druckunterschiede von bis zu fünf Bar, die bei Ab- und Aufstieg ausgeglichen werden müssen. Denn es muss schnell gehen. Hinab geht es im Fahrstuhltempo mit Gewichten an den Füßen, hinauf, gezogen an einer Leine. Die Belastung des gesamten Organismus durch den ständigen Druckwechsel ist so groß, dass traditionelle Perlenfischer selten älter als vierzig Jahre werden.

Dementsprechend war das Perlentauchen in früheren Zeiten auch nur ein Geschäft für die ärmsten der Fischer oder für Sklaven. Reich geworden sind allenfalls die Landesherren, die die Funde für sich reklamierten, sowie findige Händler. Während früher in allen wärmeren Gewässern, in denen Muscheln der Gattung Pinctada (Perlmuscheln) vorkommen, nach Perlen getaucht wurde, finden sich traditionelle Perlenfischer heute nur noch in Japan, Korea und Französisch-Polynesien. Wo aber kommen heute die Perlen her?

Schon vor anderthalb Jahrtausenden wurden in China winzige Buddha-Statuetten in Flussmuscheln implantiert, die diese Fremdkörper dann mit einer Schicht aus Perlmutt überzogen. Aber erst in den 1910er-Jahren gelang es in Japan, die Bildung jener kugelrunden Schmuckstücke künstlich zu initiieren, die wir als Perlen kennen. Perlenbildung ist im Kern eine Immunreaktion der Muschel auf eingedrungenes Fremdmaterial. Ob dieses auf natürlichem Weg oder durch Manipulation in die Muschel gelangt, spielt für die weiteren Vorgänge keine Rolle. Zweifelsfrei unterscheiden lassen sich Natur- und Zuchtperlen lediglich durch aufwändige röntgenologische Untersuchungen. So stellen Zuchtperlen ästhetisch eine vollwertige Alternative zu den unter Lebens- und Gesundheitsgefahr auf traditionellem Weg gewonnenen Naturperlen dar. Echte, in Muscheln herangewachsene Perlen sind beide, und auf ihre schimmernde Schönheit hat die Art ihrer Genese keinerlei Einfluss.